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Bayerisches Staatsministerium der Justiz

Justiz ist für die Menschen da - Recht Sicherheit Vertrauen

Gerichtsvollzieher

Diese Seite informiert Sie über das Zulassungs- bzw. Bewerbungs- und Einstellungsverfahren für eine Tätigkeit als Gerichtsvollzieher bei der bayerischen Justiz.

Berufsbild

Was nützt das beste Urteil, wenn es nicht vollstreckt werden kann?

Als Gerichtsvollzieher erfüllen Sie bei der bayerischen Justiz wichtige und verantwortungsvolle Aufgaben.

Die wichtigste Aufgabe des Gerichtsvollziehers ist es, Urteile und Beschlüsse des Gerichts durchzusetzen. Um dem Gläubiger, der einen Prozess gewonnen hat, zu seinem Geld zu verhelfen, pfändet er bewegliches Schuldnervermögen (z.B. echte Teppiche, Schmuck), versteigert es öffentlich und verteilt den Erlös in eigener Verantwortung.

Weitere Aufgaben sind die zwangsweise Räumung von Wohnungen und Geschäftsräumen, die Durchführung von Zustellungen und die Aufnahme von Wechsel- und Scheckprotesten.
Zudem ist dem Gerichtsvollzieher die Abnahme der Vermögensauskunft (früher "eidesstattliche Versicherung" bzw. "Offenbarungseid") übertragen.

Für die Organisation ihres Geschäftsbetriebs sind die Gerichtsvollzieher weitgehend selbst verantwortlich.

Zulassungs- und Einstellungsvoraussetzungen

Für den Gerichtsvollzieherdienst können Justizfachwirte und seit 1. April 2001 auch andere Bewerber zugelassen werden.

Zulassung von Justizfachwirten:

Justizfachwirte können zur Ausbildung für den Gerichtsvollzieherdienst zugelassen werden, wenn sie

  • die Justizfachwirtprüfung bestanden haben,
  • nach ihrer Persönlichkeit und den bisherigen Leistungen für die besonderen Anforderungen des Gerichtsvollzieherdienstes geeignet sind,
  • die für den Gerichtsvollzieherdienst erforderliche gesundheitliche Eignung (Nachweis durch ein amtsärztliches Gutachten) besitzen und
  • in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben.

Zulassung von anderen Bewerbern:

Andere Bewerber (= befähigte Arbeitnehmer bei der Justiz und externe Seiteneinsteiger) können ausnahmsweise zugelassen bzw. eingestellt werden, wenn keine geeigneten Bewerber aus dem Justizfachwirtedienst nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen und ein besonderes dienstliches Interesse an der Gewinnung der Bewerber besteht.

Zur vorbereitenden Ausbildung und zu der nachfolgenden Gerichtsvollzieherausbildung können diese anderen Bewerber zugelassen werden, wenn sie

  • durch ihre Lebens- und Berufserfahrung befähigt sind, die Aufgaben als Gerichtsvollzieher wahrzunehmen,
  • einen mittleren Schulabschluss, einen qualifizierten beruflichen Bildungsabschluss, einen qualifizierenden Hauptschulabschluss oder einen als gleichwertig anerkannten Bildungsstand nachweisen können,
  • sich mindestens drei Jahre in einem für den Gerichtsvollzieherdienst förderlichen Beruf bewährt haben, z. B. in einem juristischen oder kaufmännischen Beruf,
  • die allgemeinen dienstrechtlichen Voraussetzungen erfüllen, insbesondere:
    • Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit,
    • Nachweis der Verfassungstreue,
    • Einhaltung der gesetzlichen Altersgrenze (Verbeamtung bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres),
    • charakterliche Eignung (keine Vorstrafe),
    • die für den Gerichtsvollzieherdienst erforderliche gesundheitliche Eignung (Nachweis durch ein amtsärztliches Gutachten) und
    • geordnete wirtschaftliche Verhältnisse.

Für die Einstellung bzw. Zulassung sind die Präsidenten der Oberlandesgerichte in München, Nürnberg und Bamberg zuständig. Ihre Anschriften lauten:

Herrn Präsidenten des 
Oberlandesgerichts München
Prielmayerstraße 5
80335 München
(Tel. 089/5597-3094 oder -2250)

Herrn Präsidenten des
Oberlandesgerichts Nürnberg
Fürther Straße 110
90429 Nürnberg
(Tel. 0911/321-2201)

Herrn Präsidenten des
Oberlandesgerichts Bamberg
Wilhelmsplatz 1
96047 Bamberg
(Tel. 0951/833-1119)

Die anderen Bewerber (= befähigte Arbeitnehmer bei der Justiz und externe Seiteneinsteiger) werden sechs Monate vor Beginn der regulären Gerichtsvollzieherausbildung als Arbeitnehmer eingestellt. Sie absolvieren unmittelbar vor der regulären Gerichtsvollzieherausbildung regelmäßig ab 15. April eine sechsmonatige vorbereitende Ausbildung an der Bayerischen Justizakademie Pegnitz (4 Monate fachtheoretische Ausbildung) und bei dem jeweiligen Ausbildungsgericht (2 Monate Einführung und Hospitation), in der ihnen die wesentlichen Kenntnisse aus der Ausbildung für den Justizfachwirtedienst vermittelt werden. Nach dem erfolgreichen Abschluss der vorbereitenden Ausbildung wird diesen Bewerbern die Befähigung für den Justizfachwirtedienst zuerkannt. Wer als anderer Bewerber auch diese Hürde genommen hat, wird statusrechtlich zum Justizsekretär in Besoldungsgruppe A 6 ernannt und kann die reguläre Gerichtsvollzieherausbildung beginnen.

Ausbildung

Die Gerichtsvollzieherbewerber absolvieren während der regelmäßig am 15. Oktober jeden Jahres beginnenden 18-monatigen Ausbildung drei fachtheoretische Lehrgänge an der Bayerischen Justizakademie Pegnitz sowie berufspraktische Ausbildungsabschnitte bei einem Gerichtsvollzieher.

  • Fachtheoretische Ausbildung

    In den fachtheoretischen Lehrgängen (Lehrgang A 5 1/2 Monate, Lehrgang B zwei Monate 1 Woche, Lehrgang C zwei Wochen) werden die zur Erfüllung der Aufgaben des Gerichtsvollziehers erforderlichen Rechtskenntnisse, EDV-Anwendungen und Schlüsselkompetenzen unter anderem auch durch handlungsorientierte Unterrichtsformen wie Gruppenarbeiten, Planspiele, Projekte etc. vermittelt. An der fachtheoretischen Ausbildung nehmen auch Gerichtsvollzieherbewerber aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen teil.

    Unterkunft und Verpflegung werden an der Bayerischen Justizakademie Pegnitz zur Verfügung gestellt.
  • Praktische Ausbildung

    Zwischen den fachtheoretischen Lehrgängen erfolgt die praktische Ausbildung beim Gerichtsvollzieher. Hier sollen die Gerichtsvollzieherbewerber die erworbenen theoretischen Kenntnisse in der Praxis anwenden und vertiefen. Gerichtsvollzieherbewerber, die den fachtheoretischen Lehrgang B erfolgreich abgeschlossen haben, können bereits im letzten praktischen Ausbildungsabschnitt mit der Wahrnehmung von Gerichtsvollzieheraufgaben bis zur Hälfte eines Gerichtsvollzieherbezirks beauftragt werden.
  • Prüfung

    Im Anschluss an den Lehrgang C wird der schriftliche Teil der Qualifikationsprüfung durchgeführt. In fünf Klausuren à zwei Stunden, einer Klausur à fünf Stunden und einer mündlichen Prüfung muss der angehende Gerichtsvollzieher nachweisen, ob er nach seinen Kenntnissen und seinem praktischen Geschick für den Gerichtsvollzieherdienst geeignet ist.
Werdegang

Nach der bestandenen Abschlussprüfung werden die geprüften Gerichtsvollzieher in der Regel mit Gerichtsvollzieheraufgaben betraut. Die Ernennung zum Gerichtsvollzieher in Besoldungsgruppe A 8 erfolgt entsprechend der Prüfungsnote sowie der Stellensituation nach der Gerichtsvollzieherprüfung.

Abhängig von den dienstlichen Leistungen und den zur Verfügung stehenden Stellen sind Beförderungen möglich

  • zur Obergerichtsvollzieherin/ zum Obergerichtsvollzieher in
    Besoldungsgruppe A 9
  • zur Hauptgerichtsvollzieherin/ zum Hauptgerichtsvollzieher in Besoldungsgruppe A 10

Bei entsprechender Eignung ist eine modulare Qualifizierung für Ämter ab der Besoldungsgruppe A 11 und höher möglich.
Die Gerichtsvollzieher erhalten zusätzlich eine Vollstreckungsvergütung und eine Bürokostenentschädigung.