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Bayerisches Staatsministerium der Justiz

Justiz ist für die Menschen da - Recht Sicherheit Vertrauen

Rechtspfleger

Diese Seite informiert Sie über das Bewerbungs- und Einstellungsverfahren für eine Tätigkeit als Rechtspfleger bei der bayerischen Justiz.

Berufsbild

Rechtspfleger sind vornehmlich Beamte mit Einstieg in der 3. Qualifikationsebene, denen wichtige Aufgaben in der Rechtspflege übertragen sind, darunter viele, die früher Richtern und Staatsanwälten vorbehalten waren. Nahezu das gesamte Gebiet der Freiwilligen Gerichtsbarkeit, zu dem insbesondere Grundbuch- und Registersachen, Betreuungs- und Nachlassangelegenheiten zählen, ist den Rechtspflegern zur selbständigen Erledigung anvertraut. 

Ferner sind die Rechtspfleger auch mit der Zwangsversteigerung von Grundstücken, der Pfändung von Forderungen, dem Erlass von Mahn- und Vollstreckungsbescheiden, mit Insolvenzverfahren sowie mit der Vollstreckung von Geld- und Freiheitsstrafen befasst.

In einem großen Teil ihres Aufgabenbereiches sind die Rechtspfleger bei ihren Entscheidungen nur dem Gesetz unterworfen und an Weisungen nicht gebunden. Außerdem sind Beamte des Rechtspflegerdienstes auch in wichtigen Bereichen der Justizverwaltung tätig, z.B. als Geschäfts- oder Gruppenleiter bei Gerichten und Staatsanwaltschaften oder als Bezirksrevisoren.

Der Beruf des Rechtspflegers bietet für dynamische und aktive Persönlichkeiten gute Aufstiegsmöglichkeiten und eine sichere Existenz.

Berufliche Anforderungen

Wegen der vielfältigen Aufgaben und der anspruchsvollen Tätigkeit werden an die Rechtspfleger besondere Anforderungen gestellt:

  • Interesse am Beruf
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Teamfähigkeit
  • Fähigkeit zur Konfliktlösung, Einfühlungsvermögen, Integrations- und Ausgleichsfähigkeit
  • Organisationstalent und Innovationsbereitschaft
  • Fähigkeit zur Personalführung
  • ausreichende physische und psychische Belastbarkeit
  • geistige Beweglichkeit
  • Verantwortungsbereitschaft
  • Entscheidungsfreude
  • sicheres Auftreten, gewandter Ausdruck in Wort und Schrift
  • Unparteilichkeit
  • Aufgeschlossenheit gegenüber Informationstechnologie
  • Fähigkeit zum Umgang mit Menschen
  • Verständnis für wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge
  • Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen Behörden und Einrichtungen
Einstellungsvoraussetzungen

Bewerber für eine Einstellung in den Rechtspflegerdienst müssen persönlich und fachlich geeignet sein. Voraussetzung für die Beschäftigung als Rechtspfleger ist die erfolgreiche Ableistung eines dreijährigen Vorbereitungsdienstes.
Zu diesem Vorbereitungsdienst kann zugelassen werden, wer

  • die Fachhochschulreife, eine andere Hochschulreife oder einen
    als gleichwertig anerkannten Bildungsstand nachweisen kann;
  • die allgemeinen dienstrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, insbesondere
    • Besitz der deutschen Staatsangehörigkeit,
    • Nachweis der Verfassungstreue,
    • Einhaltung der gesetzlichen Altersgrenze (bis zur Vollendung des 45. Lebensjahres),
    • Charakterliche Eignung (Vorstrafen?),
    • Gesundheitliche Eignung (Nachweis durch ein amtsärztliches Gutachten) und
  • an einem besonderen Auswahlverfahren erfolgreich teilgenommen und hierbei eine ausreichende Platzziffer erreicht hat.

Auswahlverfahren

Das Auswahlverfahren für die Einstellung als Beamter/Beamtin mit Einstieg in der 3. Qualifikationsebene wird alljährlich im Oktober für die Einstellung zum 1. September des darauffolgenden Jahres von der Geschäftsstelle des Bayerischen Landespersonalausschusses durchgeführt. Zur Teilnahme ist die rechtzeitige Online-Anmeldung bei der Geschäftsstelle des Bayerischen Landespersonalausschusses erforderlich. Informationen über das Auswahlverfahren und die Online-Anmeldung können bei der Geschäftsstelle des Bayerischen Landespersonalausschusses, Postfach 22 14 41, 80504 München, Telefon 089/ 2306-2900, E-Mail: poststelle@lpa.bayern.de [email]angefordert oder über die Internetseite des Bayerischen Landespersonalausschusses abgerufen werden.

Für die Einstellung in den Rechtspflegerdienst sind die Präsidenten der Oberlandesgerichte in München, Nürnberg und Bamberg zuständig. Ihre Anschriften lauten:

Herrn Präsidenten des 
Oberlandesgerichts München
Prielmayerstraße 5
80335 München
(Tel. 089/5597-2250 oder -3094)

Herrn Präsidenten des
Oberlandesgerichts Nürnberg
Fürther Straße 110
90429 Nürnberg
(Tel. 0911/321-2333)

Herrn Präsidenten des
Oberlandesgerichts Bamberg
Wilhelmsplatz 1
96047 Bamberg
(Tel. 0951/833-1134)

Mit den Bewerberinnen und Bewerbern für den Rechtspflegerdienst bei den Gerichten und Staatsanwaltschaften wird ferner ein Strukturiertes Interview als ergänzendes Auswahlverfahren durchgeführt.

Duales Studium

Sie werden während des  dualen Studiums als Rechtspflegeranwärter im Beamtenverhältnis auf Widerruf eingestellt. Während des Vorbereitungsdienstes werden Anwärterbezüge bezahlt.

Die Rechtspflegeranwärter absolvieren während des regelmäßig am 1. September jeden Jahres beginnenden dreijährigen Vorbereitungsdienstes ein Fachstudium an der
Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern - Fachbereich Rechtspflege - in Starnberg sowie berufspraktische Ausbildungsabschnitte beim Amtsgericht und bei der Staatsanwaltschaft.

  • Fachstudium:

    Im Fachstudium (Fachstudium I ca. 9 Monate, Fachstudium II ca. 10 Monate) wird den Rechtspflegeranwärtern durch Vorlesungen, Vorträge, Übungen und Seminare sowie durch schriftliche Arbeiten das notwendige theoretische Wissen für ihre berufliche Tätigkeit vermittelt. Ebenso erfolgen Schulungen im Bereich der Schlüsselkompetenzen.

    Unterkunft und Verpflegung werden an der Hochschule zur Verfügung gestellt.

  • Fachpraktikum:

    Das Fachstudium wird durch zwei jeweils 6 ½ Monate dauernde Fachpraktika unterbrochen. Die fachpraktischen Studienabschnitte werden am Amtsgericht und der Staatsanwaltschaft abgeleistet. Dort sollen die Anwärter alle Abteilungen des Gerichts kennenlernen und die im Studium erworbenen theoretischen Kenntnisse in der Praxis anwenden und vertiefen. Während dieser Zeit findet praxisbegleitender Unterricht statt.
  • Prüfung: 

    Im Anschluss an das Fachstudium II werden der schriftliche sowie der mündliche Teil der Qualifikationsprüfung durchgeführt. In acht Klausuren à fünf Stunden und einer mündlichen Prüfung muss der angehende Rechtspfleger seine Fachkenntnisse und seine Befähigung für den Rechtspflegerberuf nachweisen.

Werdegang

Nach der bestandenen Qualifikationsprüfung (Rechtspflegerprüfung) erfolgt die Übernahme in das Beamtenverhältnis auf Probe als Rechtspflegeinspektor (= Eingangsamt) und die Verleihung des Diplomgrades "Diplom-Rechtspfleger (FH)" als akademischer Grad.

Abhängig von den dienstlichen Leistungen und den zur Verfügung stehenden Stellen sind Beförderungen möglich

  • zur Rechtspflegeoberinspektorin/zum Rechtspflegeoberinspektor in Besoldungsgruppe A 10
  • zur Rechtspflegeamtfrau/zum Rechtspflegeamtmann in Besoldungsgruppe A 11
  • zur Rechtspflegeamtsrätin/zum Rechtspflegeamtsrat in Besoldungsgruppe A 12
  • zur Rechtspflegerätin/zum Rechtspflegerat in Besoldungsgruppe A 13

Bei entsprechender Eignung ist eine modulare Qualifizierung für die Ämter der Besoldungsgruppe A 14 und höher möglich.

Informationsfilme

Die nachfolgende Film gewährt einen guten Einblick in die Ausbildung zum Rechtspfleger und dessen Tätigkeitsgebiet. 

Weitere Informationen zum breiten Spektrum der Tätigkeit eines Rechtspflegers und zu den Nachwuchssorgen in Aschaffenburg erhalten Sie im nachfolgenden Film.