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Amtsgericht Freising

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Anmerkungen zur Geschichte des Amtsgerichtsgebäudes

Wer in Freising das Amtsgericht in der Amtsgerichtsgasse sucht, sucht vergebens. Seit 1989 befindet sich das Amtsgericht nicht mehr unten in der Stadt, sondern hoch oben auf dem Domberg, genauer gesagt an dessen Nord-Ost-Seite, dort, wo der mit Zinnen bekrönte Turm steht.

Zur Geschichte dieses Gebäudes schrieb der damalige Hauptkonservator Dr. S. Benker am 15.9.1977 in einer Stellungnahme für das Landesamt für Denkmalpflege:

Der umfangreiche Baukomplex, der am Ostende des Dombergs in wirkungsvoller Lage Stadtbild und Gestalt des Dombergs wesentlich mitbestimmt, wurde als Sitz des Domdekans im Mittelalter begründet. Vom nachmaligen Bischof Johann Franz Eckher ist bekannt, dass er als Dom-Dekan (1684-95) dort Umbauten vornahm. Dieser Bau ist im Kern (Nordflügel mit Turm) noch vorhanden. Nach dem Ende des Hochstifts 1803 wurde die Domdechantei vom Blinden- und Taubstummeninstitut benutzt. 1838 zog dort das Schullehrerseminar (später Lehrerbildungsanstalt) ein. Es wurde noch 1838 an der Ostseite anstelle kleinerer Bauten ein zweigeschossiger Flügel sowie ein Anbau an den Lerchenfeldhof (Südseite) errichtet. 1857 wurde der Ostflügel um ein Stockwerk erhöht, 1862 ebenso das alte Haus der Domdechantei, dem auch ein westlicher Anbau zugefügt wurde. Weiterhin wurde 1862 der bis dahin mit einer barocken Zwiebel bekrönte Turm in neugotischen Formen mit Zinnen umgestaltet (Architekt Heinrich Lang).

Inzwischen war das barocke Haus des domkapitlischen Syndikus westlich des Komplexes hinzuerworben worden. Anstelle des Etzdorfschen Domherrnhofes entstand noch weiter westlich anschließend 1901 die Turnhalle. Die stets intensive Nutzung sowie ein Brand 1951 (richtig: 1950 – Anm. des Verfassers) machten vielfache Änderungen und Umbauten erforderlich.

Der Neubau des Camerloher-Gymnasiums ... ließ schließlich 1969-71 die Gebäude ohne eigentlichen Herrn zurück. Sie wurden jetzt für verschiedene Hochschul- und Gymnasialzwecke benutzt.

Nutzung seit dem Krieg

Mit dieser kurzen Schilderung der Baugeschichte soll es sein Bewenden haben. Da viele noch persönliche Erinnerungen damit verbinden, sei nur noch näher auf die Nutzung seit dem Krieg eingegangen.

Es herrschte ein ziemliches Durcheinander. Nach der Nutzung als Lazarett für Kriegsgefangene wurden dort Schnellkurse für Kriegsheimkehrer ("Heimkehrerschnellsiederlehrgänge") abgehalten. Der Name der im Gebäude untergebrachten Schule änderte sich ständig. So hieß sie zwischendurch „Aufbauschule im Abbau, Lehrerbildungsanstalt im Umbau und Deutsches Gymnasium im Aufbau". Für viele noch in guter Erinnerung ist die sogenannte Seminarübungsschule, in der angehende Lehrer Unterrichtsmethoden an Ort und Stelle mit Schülern der Stadt erproben konnten. Zuletzt war es das „Deutsche Gymnasium“, das heutige „Camerloher-Gymnasium“.

Nach dem Auszug des Deutschen Gymnasiums stand das Gebäude mehr oder weniger leer. Da ein Abriss aus Gründen des Denkmalschutzes ausgeschlossen war, musste ein neuer Nutzer gefunden werden. Das war nicht einfach. Insbesondere die schwierige Anfahrt über die schmale Untere Domberggasse, zusätzlich beengt durch den Agilolfenturm, schloss eine gewerbliche Nutzung aus. Eine solche wie auch die Nutzung als Wohngebäude waren im unmittelbaren Umfeld des Doms auch schwer vorstellbar. 1974 wurde das Gebäude schließlich der Justiz angeboten, deren Räumlichkeiten in der Amtsgerichtsgasse zu eng geworden waren.

Unter der Bedingung, dass die alten Gebäude weitgehend abzureissen wären und an ihre Stelle der Lage angepasste Neubauten zu errichten seien, stimmte das Justizministerium 1977 dem Vorschlag des Finanzministeriums, hier ein neues Amtsgerichtsgebäude zu errichten, zu. Das Justizministerium forderte allerdings zusätzliche Maßnahmen für eine bessere Erschließung. Damit begann eine lange Planungs- und Baugeschichte. Am 21. Juli 1989 wurde endlich das neue Amtsgericht eingeweiht, das in seinen Mauern noch das Vermessungsamt beherbergt. Entgegen den ursprünglichen Vorstellungen wurde nur ein sehr kleiner Teil des ursprünglichen Gebäudekomplexes, nämlich der mittlere Querbau mit dem Physiksaal, abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Alle anderen Gebäude wurden sehr aufwändig wieder instandgesetzt und für die neue Nutzung umgebaut. Insbesondere wegen umfangreicher Fundierungsarbeiten stiegen die Gesamtkosten von ursprünglich geschätzten 7,9 Mio. DM auf etwa 20 Mio. DM. Das Gericht ist - und das ist wohl der größte Nachteil - nur über die unverändert schmale Untere Domberggasse erreichbar. Es gibt zudem nicht genügend Parkplätze, und wer zu Fuß kommt, muss entweder von Norden her eine 90-Stufen-Treppe nehmen oder vom Westen her erst den Domberg hinauf und dann wieder etwas hinuntersteigen.

Damit wären aber auch schon fast alle Punkte aufgeführt, die bei diesem Um- und Neubau zu beanstanden sind. Dem damaligen Baudirektor Geierstanger gelang gemeinsam mit dem Architekten Prof. Dr. Adam ein formschöner Bau. Bei einer Behördenleiterbesprechung meinte ein Vertreter der bayerischen Rechtsanwälte sogar, das Freisinger Amtsgericht sei eines der schönsten Amtsgerichte in Bayern. Der Innenhof mit seinen breiten Stufen erinnert ein bisschen an eine italienische Piazza. Die alte Linde in eben diesem Innenhof, an die sich noch viele ehemalige Schüler erinnern dürften, musste leider im Jahr 2000 wegen Altersschwäche gegen eine neue ausgetauscht werden, weshalb es noch einige Zeit dauern dürfte, bis der Baum wieder ein würdiger Mittelpunkt sein wird. Für ein Gericht einmalig befindet sich in seinen Mauern noch eine kleine, wunderbar renovierte Kapelle aus dem 17. Jahrhundert. Für Nostalgiker wurde die ehemalige Schuluhr repariert und hergerichtet. Sie hängt jetzt in der großzügigen Aula des Gerichts.

Persönliche Erinnerungen

Mit dem Gebäude verbinden viele Menschen persönliche Erinnerungen, die mir gelegentlich erzählt wurden.

Am meisten hat mich die folgende Erzählung eines ehemaligen Schülers der Lehrerbildungsanstalt bewegt: In einer Freisinger Familie war der einzige Sohn glücklich aus dem Krieg zurückgekehrt. Im Heimkehrerschnellkurs sollte er seine Abschlussprüfung machen. Diese fand im Klassenraum statt, in dem jeder Schüler auch seine Bücher, Hefte etc. in der Schulbank aufbewahrte. Zufällig fiel dem Prüfling ein Zettel, der sich bei seinen Schulsachen befand, auf den Boden. Die Aufsichtsperson hob den Zettel auf und legte ihn unbeanstandet auf dessen Schreibpult. Obwohl niemand daran dachte, der Sache noch weiter nachzugehen, bekam er Angst, er könne wegen Unterschleifs durchfallen. In seiner Verzweiflung erhängte er sich noch in der folgenden Nacht im Turm. Was mag in den Eltern vorgegangen sein. deren einziger Sohn unversehrt aus dem Krieg zurückgekommen war, und den sie nun auf diese Weise verloren. Er hätte seine Prüfung mit guten Noten bestanden.

Auch aus der Kriegszeit, aber ganz anders, erfreulicher, ist die Erinnerung eines früheren Bewohners: Er war im Krieg von den Amerikanern gefangen genommen worden. Wegen einer Verwundung kam er in das Lazarett, das damals in den Räumen der Aufbauschule eingerichtet worden war - in eben der Aufbauschule, wo sein Vater als Schulleiter wohnte. Als sich dies herausstellte, genehmigten die Amerikaner, dass er nicht im allgemeinen Krankensaal, sondern daheim bei seiner Familie "gefangen" gehalten wurde. Er dürfte nicht ganz Unrecht haben, wenn er meint, damit der einzige Kriegsgefangene gewesen zu sein, der sein "Gefangenenlager" in der Wohnung seiner Eltern hatte.

Seit der Nutzung als Amtsgericht verbinden die Besucher mit diesem Gebäude ganz andere Erinnerungen: schmerzhafte, wie etwa die Erinnerung an eine Verurteilung, einen verlorenen Prozess oder eine Scheidung, angenehme wie etwa an eine Testamentseröffnung mit großer Erbschaft, die Eintragung des erworbenen Eigenheims im Grundbuch oder - was auch vorkommt - einen gewonnenen Prozess.

Freising, 5.12.2006

Gleixner
Direktor des Amtsgerichts a. D.