Das Günzburger Schloss und seine Geschichte:
Ehemaliges markgräfliches Schloss Günzburg: A: Südflügel - C: Hauptbau - D: Westflügel - E: Nordflügel - F: Hofkirche - G: Rathaus
Das Amtsgericht Günzburg ist zusammen mit dem Finanzamt und der Verwaltung der Stadt Günzburg untergebracht im ehemaligen Schloss der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau.
Der in dieser Anordnung für Schwaben einmalige Schlosskomplex, bestehend aus viergeschossigen Flügelbauten mit Mansard- und Walmdächern, die rechteckig um den Schlossplatz angeordnet sind, wurde zusammen mit der Günzburger Hofkirche auf dem Areal eines Vorgängerbaus in den Jahren 1577 – 1586 unter Erzherzog Ferdinand II. von Tirol als Residenz für seinen Sohn Markgraf Karl durch den Baumeister Alberto Lucchese errichtet und um 1609 unter Markgraf Karl von Burgau im Innenbereich verändert.
Das prächtige Schloss mit seiner großen und weitläufigen Gartenanlage fiel während des Spanischen Erbfolgekriegs im Jahr 1703 einem großen Feuer zum Opfer, bei dem mehr als die Hälfte der Bausubstanz samt der Hofkirche zerstört wurde.
Der in den darauffolgenden Jahren erfolgte Wiederaufbau von Schloss und Hofkirche, vermutlich unter der Federführung von Valerian Brenner, führte zu der barocken Gestalt, die heute noch das Bild der Anlage bestimmen.
Sgrafitto-Malerei 16. Jahrhundert
Die hierbei überputzte „Sgrafitto“-Malerei aus dem späten 16. Jahrhundert, die ursprünglich die Wände der zum Schlossplatz gekehrten offenen Laufgänge zierte, kann heute nur noch bruchstückweise im Westflügel des 1. und 2. Obergeschosses besichtigt werden. Erst im Laufe von Bauarbeiten im Jahr 2008 kamen weitere Fragmente zum Vorschein.
Nach dem Fall Napoleons und dem Übergang der Regierungsgewalt von Österreich an das Königreich Bayern im Jahre 1806 wurde in dem Schlossgebäude im West- und Nordflügel das Rentamt (heutiges Finanzamt) und im Hauptbau das Landgericht (heutiges Amtsgericht) untergebracht.
Weitere Umbauten erfolgten, zuletzt im größeren Stil in den Jahren 1966 und 1973/74 mit dem Ziel der Schaffung eines modernen Amtsgebäudes, leider um den Preis des Abbruchs der barocken dreiläufigen Holztreppe und der Entfernung der letzten noch erhaltenen Innentüren des 18. Jahrhunderts.
Von der ehemals barocken Pracht ist heute kaum noch etwas zu ahnen. Die letzten Reste der im Jahre 1939 mit großem Aufwand teilweise erneuerten barocken Architekturmalerei aus dem 18. Jahrhundert wurden nach Ende des 2. Weltkriegs mit weißer Farbe übertüncht.
Historischer Torflügel (Haupteingang)
Die Jahrhunderte nahezu unbeschadet überstanden haben lediglich die schönen Türflügel in geschnitzter Eiche (um 1750/1760) zu den beiden Rundportalen in der Mitte des Hauptbaus.
