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Generalstaatsanwaltschaft Bamberg

Justiz ist für die Menschen da – Recht Sicherheit Vertrauen

Pressemitteilung 4 vom 9.12.15

ZCB - Internetbetrüger festgenommen

Mehrere Jahre saß ein Mann aus dem südlichen Landkreis Rosenheim wegen umfangreicher Betrügereien in einer Justizvollzugsanstalt. Der inzwischen 33-Jährige war erst im Juni 2015 aus der Haft entlassen worden, hatte aber wohl bereits während eines Hafturlaubs wieder damit begonnen, Betrügereien im Internet zu begehen. Er wurde am 7. Dezember erneut festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Ende September 2011 wurde der damals 29 Jahre alte Mann nach umfangreichen Ermittlungen der Arbeitsgruppe Cybercrime der Rosenheimer Kriminalpolizei auf frischer Tat fest-genommen. Er hatte damals mit betrügerisch erlangten Kreditkarten- und anderen Zahlungsdaten, sowie ausgespähten Postnummern, Waren an Packstationen liefern lassen. Die eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe der Kripo legte ihm über 200 Fälle zur Last, der Mann wurde dafür im Juni 2012 vom Landgericht Traunstein zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Er wurde im Juni dieses Jahres aus der Haft entlassen.

Aber schon während eines Hafturlaubs hatte der 29-Jährige mutmaßlich bereits wieder sei-ne „Geschäfte“, nämlich umfangreiche Betrügereien im Internet, aufgenommen. Er ist dringend verdächtigt, sich im Internet in einem Untergrundforum angemeldet zu haben, um dort „Cardingdelikte“ zu begehen. Der Mann soll anderen Usern sein Erfahrungswissen, gerade auch im Umgang mit den Ermittlungsbehörden, angeboten und erklärt haben, wie Daten und Güter betrügerisch erlangt werden oder wie derartige Daten gewinnbringen weiterveräußert werden können. Im August 2015 gründeten die Cybercops der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim deshalb die Ermittlungsgruppe „Weavebuster“ und arbeiteten dabei eng mit den auf die Bekämpfung der Internetkriminalität spezialisierten Staatsanwälten der Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB) bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg zusammen.

Profundes technisches Fachwissen der Staatsanwälte und Kriminalbeamten war bei den umfangreichen Ermittlungen nötig, um wieder mehrere mögliche Straftaten des inzwischen 33 Jahre alten Betrügers aufzudecken. So soll der Beschuldigte erneut betrügerische Warenbestellungen durchgeführt, mit Falschpersonalien Bankkonten eröffnet oder fremde Kreditkartendaten auch zur Buchung von Flugreisen und Hotelaufenthalten genutzt haben. Die Ermittler fanden heraus, dass sich der Tatverdächtige mehrere gefälschte Personalausweise und einen total gefälschten Führerschein in einem „Undergroundforum“ gekauft hatte. Diese Falschdokumente soll er nach dem derzeitigen Ermittlungsstand auch für mehrere Postident-Verfahren genutzt haben. Dreist auch: der Mann meldete mit den gefälschten Papieren einen Pkw an, nutzte diesen unter Falschpersonalien und mit einem gefälschten Führer-schein, obwohl er nie im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis war.

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg beantragte umfangreiche Beschlüsse zur Aufklärung der Straftaten.
Die Ermittler der Kripo hatten Anhaltspunkte, dass sich der Gesuchte zuletzt mehrere Wochen im Ausland aufhielt. Nachdem bekannt wurde, dass er sich vor wenigen Tagen auf dem Weg zurück nach Deutschland befand, wurden die Überwachungsmaßnahmen verstärkt. Der Beschuldigte konnte schließlich am Montag vorläufig festgenommen werden. Tags darauf wurde der 33-Jährige dem Ermittlungsrichter in Bamberg vorgeführt und sitzt seitdem wieder in Untersuchungshaft.

Nach der Festnahme des Mannes durchsuchten mehr als 20 Beamte unter Leitung eines Staatsanwaltes der Zentralstelle Cybercrime Bayern am Montag insgesamt vier Objekte, jeweils zwei in den Landkreisen Rosenheim und Mühldorf. Nach einem Hinweis auf eine Ferienwohnung im südlichen Landkreis Rosenheim, wurde am gestrigen Dienstag auch dort durchsucht. Neben einem Computer stellte die Kripo umfangreiches weiteres Beweismaterial sicher. Vier der Falsifikate waren mit Fotos des 33-Jährigen versehen. Die gesamte Auswertung des umfangreichen Beweismaterials wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Auf Antrag der Zentralstelle Cybercrime Bayern erging der nunmehr vollzogene Haftbefehl gegen den Beschuldigten unter anderem wegen Computerbetrug und Urkundenfälschung. Er befindet sich seither in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft.

Zentralstelle Cybercrime Bayern (ZCB)

Seit dem 1. Januar 2015 besteht bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zentral-stelle Cybercrime Bayern. Diese Zentralstelle ist bayernweit zuständig für die Bearbeitung herausgehobener Ermittlungsverfahren im Bereich der Cyberkriminalität. Sie ermittelt in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Spezialisten der bayerischen Polizei z.B. bei Angriffen auf bedeutende Wirtschaftszweige oder bei Verfahren aus dem Bereich der organisierten Cyberkriminalität. Auch dann, wenn ein hoher Ermittlungsaufwand im Bereich der Computer- und Informationstechnik abzuarbeiten ist, werden die Staatsanwälte der Zentralstelle tätig.