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Generalstaatsanwaltschaft Bamberg

Justiz ist für die Menschen da – Recht Sicherheit Vertrauen

Pressemitteilung 7 vom 21.06.17

ZCB legt Vorkasse-Betrügern das Handwerk

Gemeinsam mit den rumänischen Behörden und einer Ermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums München ist der bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg eingerichteten Zentralstelle Cybercrime Bayern ein Ermittlungserfolg gegen Online-Betrüger, die sich als Notare aus-gaben, gelungen.

Der 32-jährige Haupttäter aus Nordrhein-Westfalen wurde in Rumänien festgenommen und am 14.06.2017 aufgrund eines Europäischen Haftbefehls nach Deutschland ausgeliefert. Sein 36-jähriger Mittäter war bereits am 10.05.2017 in Deutschland festgenommen worden. Beide Beschuldigte befinden sich in Untersuchungshaft.

Die beiden Beschuldigten sind dringend verdächtig, zwischen November 2014 und März 2017 in einer Vielzahl von Fällen auf Internet-Verkaufsportalen und in regionalen Zeitungen Inserate veröffentlicht zu haben, in denen sie Fahrzeuge zum Kauf anboten. Sie gaben sich dabei als Notare aus und gaben vor, dass es sich jeweils um ein Fahrzeug aus einer polnischen Insolvenzmasse handeln würde, die sie als Treuhänder verwalteten. Besichtigungen der Fahrzeuge sollten nur in Polen oder überhaupt nicht möglich sein.

Zur Täuschung sollen die beiden Täter seit 2014 unterschiedliche Namens- und Adressdaten vermeintlicher Notare verwendet haben, wobei sie jeweils auch eine passende Homepage erstellten. Sie nutzten dabei die Domains www.notarkanzlei-bayern.de, www.notarkanzlei-bayern.com, www.digitali-notare.com, www.notare-fronhoefer.com, www.insolvenz-notare.com, www.notarkanzlei-ost.com, www.notare-bernsbach.com, www.notar-mv.de, www.notariat-media.com, www.notarbuero-rerrer.com, www.notar-rerik.com, www.notariat-schmidt.com, www.notarkanzlei-detmold.de, www.legal-volk.de, www.notariat-klein.de, sowie zuletzt die Domain www.landaukanzlei.com.

Den Interessenten wurde dadurch, dass der Kontakt vermeintlich mit Notaren stattfand, eine Seriosität der Angebote vorgespielt, weshalb sie zum Teil darauf vertrauten, dass die Fahrzeuge trotz mangelnder Besichtigung existierten und geliefert würden. In einigen Fällen übermittelten die Beschuldigten den Interessenten Scans von Fahrzeugscheinen der Kraftfahrzeuge, um dieses Vertrauen zu verstärken. Die Beschuldigten hatten weder die Absicht noch die Möglichkeit, die angebotenen Fahrzeuge den Käufern tatsächlich zu übereignen.

Bisher sind den Ermittlungsbehörden 121 Fälle bekannt, in denen die Beschuldigten auf diese Weise in Kontakt mit potentiellen Käufern traten. In 45 Fällen erfolgten auch Kaufpreiszahlungen an die Beschuldigten in Höhe von insgesamt 567.345 €.
Aufgrund der Tatbegehung überwiegend über das Internet gestalteten sich die Ermittlungen ausgesprochen schwierig. Um effizient grenzüberschreitend zusammenarbeiten zu können, wurde von den Behörden eine Gemeinsame Ermittlungsgruppe (JIT = joint Investigation team) der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der rumänischen Staatsanwaltschaft für die Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität (DIICOT) gegründet. Dies ermöglichte eine unkomplizierte und reibungslose Umsetzung der notwendigen Ermittlungs-maßnahmen in Deutschland und in Rumänien. Unmittelbar, nachdem bekannt wurde, dass der 32-jährige Haupttäter plant, sich nach Thailand abzusetzen, wurde ein Europäischer Haftbefehl durch die Zentralstelle Cybercrime Bayern ausgestellt und der Beschuldigte bereits am Folgetag in Rumänien von den dortigen Behörden festgenommen.

Bei der Durchsuchung seiner Wohnung in Bukarest wurde Bargeld in unterschiedlichen Währungen im Wert von über 70.000 EUR aufgefunden.
Die umfangreichen Ermittlungen in diesem Verfahren dauern an. Gegen die Mutter des mutmaßlichen Haupttäters wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche eingeleitet. An sie soll ein erheblicher Teil der Tatbeute übertragen worden sein.

Seit dem 1. Januar 2015 besteht bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zentralstelle Cybercrime Bayern. Diese Zentralstelle ist bayernweit zuständig für die Bearbeitung herausgehobener Ermittlungsverfahren im Bereich der Cyberkriminalität. Sie ermittelt in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Spezialisten der bayerischen Polizei z.B. bei Angriffen auf bedeutende Wirtschaftszweige oder bei Verfahren aus dem Bereich der organisierten Cyberkriminalität. Auch dann, wenn ein hoher Ermittlungsaufwand im Bereich der Computer- und Informationstechnik abzuarbeiten ist, werden die Staatsanwälte der Zentralstelle tätig.