Menü

Generalstaatsanwaltschaft Bamberg

Pressemitteilung 7/2026 vom 10.03.2026

Anlagebetrug im Internet - Ermittlungserfolg der Nürnberger Kriminalpolizei – Anklage gegen Führungsmitglied erhoben

Bamberg/Nürnberg. In enger Zusammenarbeit mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern ist es der Nürnberger Kriminalpolizei durch intensiv geführte Ermittlungen gelungen, ein weltweit agierendes Netzwerk aufzudecken und zwei Tatverdächtige festzunehmen. Diesmal gingen den Ermittlern die Verantwortlichen eines Unternehmens ins Netz, das über Jahre hinweg die für den massenhaften Betrug essenzielle Telefon- und IT-Infrastruktur bereitgestellt hatte. Ende des vergangenen Jahres wurde Anklage gegen eine von zwei Führungspersonen des IT-Unternehmens erhoben. Die Anklage legt ihm zur Last, einen Schaden in Höhe von rund 28,6 Millionen Euro bei 235 Geschädigten verursacht zu haben.

Gegenstand des Ermittlungsverfahrens ist professioneller Anlagebetrug im Internet (sog. Cybertrading Fraud). Hierbei locken Betrüger ihre Opfer auf speziell für diese Form des Betrugs eingerichtete Webseiten. Sie versprechen hohe Gewinne beim Handel mit Aktien, Rohstoffen oder Kryptowährungen. Nach ersten Kursgewinnen werden die „Anleger“ dazu verleitet, höhere Summen zu investieren. Dieses Geld wird allerdings zu keinem Zeitpunkt angelegt, sondern von den Betrügern einbehalten. Wenn die Geschädigten ihr investiertes Kapital zurückverlangen, werden fadenscheinige Gründe vorgeschoben. Beispielsweise müssen vor der Auszahlung angeblich noch Provisionen der Broker und die Steuer auf die Gewinne bezahlt werden. Die gutgläubigen Opfer bezahlen auch diese Summen, doch nach einiger Zeit bricht der Kontakt ab.

Bereits 2019/2020 gelang es Ermittlern aus Oberbayern und der Zentralstelle Cybercrime Bayern, die Server eines betrügerischen Callcenters mitsamt der dazugehörigen IT-Infrastruktur in der Ukraine sicherstellen zu lassen und erste Hinweise auf Beteiligte der Betrugstaten zu gewinnen. Ab März 2023 führte das für Wirtschaftskriminalität zuständige Kommissariat 42 des Kriminalfachdezernats 4 in Nürnberg die weiteren Ermittlungen u.a. gegen das Unternehmen, das die für die Betrugstaten genutzte Software, Server, Telefonanlagen und sonstige IT-Infrastruktur bereitstellte. Bei der der Kriminalpolizei Nürnberg wurde hierfür die Ermittlungskommission „Woki“ ins Leben gerufen.

Die akribische Auswertung der Server erhärtete den Verdacht, dass es sich um eine Tätergruppierung handelte, die sowohl von Israel als auch aus der Ukraine heraus ihre IT-Infrastruktur für eine Vielzahl an betrügerischen Plattformen bereitgestellt hatte. Die von ihnen für den Anlagebetrug installierte Informationstechnik wurde anderen Callcenter-Betrügern dabei entgeltlich zur Verfügung gestellt, die hierzu ein weltweites Geflecht aus Scheinfirmen nutzten. Die Ermittlungskommission befasste sich in der Folge mit insgesamt mehr als 30 betrügerischen Trading-Plattformen aus über 350 Einzelverfahren mit ebenso vielen Geschädigten. Der bei deutschen Geschädigten verursachte angezeigte Gesamtschaden liegt bei mehr als 34 Millionen Euro. Erfahrungsgemäß werden jedoch bei Weitem nicht alle Fälle angezeigt und sowohl die Zahl der Geschädigten als auch die tatsächliche Schadenssumme liegt mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich höher.

In enger Zusammenarbeit mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern gelang es den Ermittlern, mehrere Tatverdächtige aus der Führungsriege zu identifizieren.

Zwei hochrangige Drahtzieher der technischen Infrastruktur konnten sodann aufgrund internationaler Fahndungsmaßnahmen Ende 2024 bzw. Anfang 2025 in Zypern und Albanien festgenommen werden. Dabei handelte es sich um zwei israelische Staatsangehörige im Alter von 46 und 42 Jahren.  Gegen den 46jährigen, der im April 2025 aus Zypern nach Deutschland ausgeliefert wurde und sich seitdem in Untersuchungshaft befindet, wurde Ende vergangenen Jahres Anklage zur Cyberwirtschaftskammer des Landgerichts Bamberg erhoben. Den ihm zurechenbaren Schaden beziffert die Anklageschrift auf rund 28,6 Millionen Euro bei 235 Geschädigten. Aus diesen Taten sollen ihm insgesamt mehr als 1,1 Millionen Euro persönlich zugeflossen sein. Gegen seinen 42jährigen Mitbeschuldigten läuft in Albanien noch das Auslieferungsverfahren.

Gegen weitere Tatbeteiligte wird unverändert ermittelt. Aufgrund der Komplexität des Verfahrens werden die Ermittlungen noch längere Zeit in Anspruch nehmen.