Amtsgericht Neu-Ulm
30.04.2026

81 Jahre nach der Befreiung Münchens durch US-Soldaten / Bayerische Justiz erinnert an Inhaftierungen und Hinrichtungen von NS-Opfern aller betroffenen europäischen Länder in der JVA München-Stadelheim / Justizminister Eisenreich: "In Stadelheim wurden massenhaft Urteile und Strafen vollstreckt, die das Recht mit Füßen traten und unermessliches Leid über die Opfer und ihre Familien brachten."

Heute vor 81 Jahren zog die US-Armee in München ein. Es war das Ende der Nazidiktatur in der "Hauptstadt der Bewegung". Zum Jahrestag findet heute (30. April) eine Gedenkfeier zu Ehren aller von 1933 bis 1945 im NS-Strafgefängnis München-Stadelheim inhaftierten sowie hingerichteten NS-Verfolgten aller betroffenen europäischen Länder statt. In diesem Jahr stehen die Schicksale junger polnischer Zwangsarbeiter im Zentrum der Veranstaltung. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich, der die Schirmherrschaft übernommen hat: "Stadelheim war eine zentrale Hinrichtungsstätte der NS-Diktatur. In diesem Jahr richtet sich unser Blick besonders auf die polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in Stadelheim getötet wurden. Ihr Schicksal steht exemplarisch für das Unrecht, das Menschen aus ganz Europa von den Nationalsozialisten angetan wurde."

Bei der Gedenkfeier spricht auch Heidi Delbeck, Tochter des Widerstandskämpfers Karl Delbeck, der in den Todeszellen von Stadelheim auf seine Hinrichtung wartete und ihr knapp entkam. Weitere Schwerpunkte der Veranstaltung sind ein Vortrag des Kemptener Historikers Dr. Dieter Weber zu den Schicksalen junger polnischer Zwangsarbeiter aus Kempten und dem Allgäu sowie eine Szene aus dem Theaterstück "Genoveva S." der Mittelschule Sonthofen, das sich mit dem Schicksal einer in der NS-Diktatur hingerichteten polnischen Zwangsarbeiterin aus dem Oberallgäu beschäftigt. Zum Abschluss spricht Markus Szczypta über das Schicksal seines Großonkels Mieczyslaw Kopyto.

Der Minister: "Viele erinnern sich an das tragische Schicksal der Geschwister Scholl und der weiteren Mitglieder der Weißen Rose. Zwischen 1933 und 1945 wurden in Stadelheim aber massenhaft Urteile und Strafen vollstreckt, die Menschen zu Unrecht ihr Leben nahmen, das Recht mit Füßen traten und unermessliches Leid über die Opfer und ihre Familien brachten. Unsere Gedanken sind bei allen Opfern des menschenverachtenden Terrors der Nationalsozialisten und ihren Angehörigen. Das Schicksal der NS-Verfolgten von Stadelheim mahnt uns alle: Demokratie und Menschenrechte müssen Tag für Tag verteidigt werden."

Dauerausstellung Weiße Rose Saal

Ihren Mut zur Freiheit haben die Geschwister Scholl und vier ihrer Freunde mit dem Leben bezahlt. Wohin es führen kann, wenn die Dritte Gewalt im Staate ihre Unabhängigkeit verliert, zeigt die Dauerausstellung Willkür "Im Namen des Deutschen Volkes".


Weitere Infos finden Sie hier

Wussten Sie eigentlich …?

… dass die Fachgerichtsbarkeiten, d.h. die Verwaltungs-, Arbeits-, Sozial- und Finanzgerichte in Bayern nicht zum Justizressort, sondern zum Geschäftsbereich der jeweiligen Fachministerien gehören?